Bilac 2017

von Ulrike Beuther

Bilac 2017

Am 16.9.2017 startete eine 5-köpfige Mannschaft der Undine zur „Bilac17" an den Bieler See.

Nach der Ausschreibung von Ralf Christofzik am schwarzen Brett sah es zunächst ganz mager aus, keiner hatte sich eingetragen, der Termin schien schlecht zu passen. Dann fand sich aber zum Glück noch ein erlesenes kleines Grüppchen zusammen, um an dem schönen Ruderevent teilzunehmen und die Radolfzeller Undine, wie schon in den Vorjahren, würdig zu vertreten!

Die Bilac ist eine Jedermann-Ruderregatta über 32 km, die erstmals 2002 anlässlich der Expo in Neuchâtel ausgerichtet wurde. Das erklärte uns ein freundlicher Ruderkollege aus Solothurn, der sich nach dem Rennen zu uns an den Tisch gesellte. Das neue Motto der Veranstaltung lautet „row and have a good time“, so dass klar wird, dass man das Rudern sowohl sportlich-engagiert aber auch aus Freude an einer gemeinsamen Ruderausfahrt mit netten Vereinskolleginnen und Kollegen in einer schönen Umgebung betreiben kann. Es gibt drei verschiedene Strecken, je nach Wetterbedingungen wird einen Tag vor der Regatta eine Variante festgelegt. In diesem Jahr wurde (wie schon 2016) die Seestrecke gerudert, die in Neuchâtel startet, über einen Verbindungskanal zum Bieler See führt und schließlich am Seeclub in Biel endet.

So trafen sich also am Donnerstag, den 14.9. Andrea Huber, Ulrike Beuther, Anke Brednich, Ralf Christofzik und Friedrich Klatt, um die „etzt Hört“ reisefertig zu machen. Über den Bodensee jagten die Windsurfer und ein ordentlicher Herbststurm fegte über den Platz, aber wir ließen uns nicht entmutigen und von den widersprüchlichen Wettervorhersagen in den verschiedenen Apps und Wetterdiensten irritieren.

Tags drauf starteten wir am späten Nachmittag nach Biel und kamen ohne größere Staus gut gelaunt in der „Lago Lodge“ an, wo wir bereits die Jahre davor untergekommen sind. Auch das Einparken mit dem Hänger auf dem Parkplatz klappte dieses mal ohne Probleme und der vorsorglich ausgedruckte Schaltplan für die Beleuchtung des Hängers war zum Glück überflüssig! Die Lago Lodge ist ein wirklich nettes Hostel direkt am Bieler See, wo man vergleichsweise günstig im Jugendherbergsstil in Mehrbettenzimmern übernachten kann. Ganz wichtig war, sich umgehend ins WLAN-Netz der Lodge einzuloggen, um endlich wieder mit der Außenwelt in Kontakt treten zu können und die inzwischen zahlreich eingetroffenen mails und sms und whats apps umgehend zu beantworten! So testeten Ulli und Andrea sofort die Verbindungsstärke des WLAN-Netzes in der natürlich schon längst eingerichteten „BILAC 2017“ whats app-Gruppe mit folgendem bedeutungsschwangeren Mini-Dialog:

Andrea: „Test“
Ulli: „Test zurück.
Ich Dich auch!“

Nachdem das also geklärt, die Betten bezogen, die Ohropax-Stöpsel verteilt (zum Glück waren auch sie gar nicht nötig), die Weckzeit ausgehandelt und die Ruderklamotten für den nächsten Tag ordentlich gerichtet waren, ging es noch auf eine leckere Pizza und eins, zwei, drei Getränke zum Italiener. So verzogen wir uns dann ausreichend versorgt mit Kohlehydraten zu fortgeschrittener Stunde, aber so was von bereit für den nächsten Tag in unsere Stockbetten und die meisten schlummerten selig.

Der Tag der Bilac startete mit erfrischenden 8 Grad Celsius, dafür mit klarem Himmel und tollem Alpenpanorama. Wir stärkten uns noch einmal beim tollen Frühstück in der Lodge und machten uns dann auf den Weg nach Neuchâtel zum Start. In der Gegend wird ja sowohl französisch als auch schweizerdeutsch gesprochen, so dass Neuchâtel zugleich auch Neuenburg heißt, wir fanden „Neuveschloss“ aber eigentlich auch ganz schön und passend! Am Startplatz herrschte schon reges Treiben, fix waren das Boot, Skulls und das Zubehör abgeladen und auch das Einsetzen ins Wasser funktionierte dank guter Organisation und kooperativer Ruderkollegen schnell und problemlos.

Die ca. 80 teilnehmenden Boote versammelten sich vor der traumhaften Kulisse von Neuchâtel im Morgenlicht an der Startboje und um kurz nach 9.00 erfolgte der Startschuss und das Feld setzte sich in Bewegung. Es läuteten zwar keine Kirchenglocken wie bei der Vogalonga in Venedig, aber der Massenstart war trotzdem ein toller Moment. Mit so vielen Booten, lauter netten Gleichgesinnten in allen Landessprachen, einer fröhlichen Mannschaft und bei gutem Wetter gemeinsam in Bewegung zu kommen ist ein wunderbares Gruppenerlebnis - das muss man einfach mal erlebt haben.

Die erste knappe Stunde auf dem See von Neuenburg in der Morgensonne war herrlich und nicht mal der Steuerfrau war mehr kalt. Schon nach kurzer Zeit bahnte sich die erste Herausforderung an - der Rollsitz von Ralf quietschte und knarzte, zum Glück hatten wir einen Reservesitz dabei. Der war aber im Bug verstaut und musste von einer Position zur nächsten weiter gereicht werden, bis er bei Ralf auf dem Schlagplatz angekommen war. Ehrensache, dass während der ganzen Aktion weiter gerudert wurde, man wollte ja keine wertvollen Meter gegenüber den anderen Booten verlieren! Ralf gelang dann das Kunststück, den Sitz bei fahrendem Boot zu tauschen, so bewies die ganze Mannschaft bereits bei dieser Aktion ihre große Ruderkompetenz!!!

Die Strecke führte weiter in den Kanal, der die beiden Seen verbindet, hier wurde das Wasser wunderbar ruhig und das Feld der Boote zog sich mehr und mehr auseinander. Einigen Booten, die ein ähnliches Tempo fuhren wie wir selbst, begegneten wir jedoch immer wieder und es entwickelten sich kleine Wettrennen, Sprinteinlagen und Überholmanöver. Ein schweizer Boot trug den seltsamen Namen „Schorreniggel“, eine Nachfrage ergab, dass dies Tannenzapfen heißt, wieder was gelernt!

Ein Boot aus Frankreich mit der Startnummer 32 hatte es uns besonders angetan, sie saßen uns immer wieder im Nacken und stachelten uns an, die Nase vorne zu behalten! Unterbrochen wurde die Fahrt durch kurze Platztauschaktionen, in denen wir die Steuermänner und -frauen wechselten. Auch hier bemühten wir uns um möglichst schnelle und effektive Tauschmanöver und trotz Wadenkrämpfen gab das Team alles, um schnellstmöglich die Fahrt wieder aufnehmen zu können! Gegessen wurde nichts und auch andere Bedürfnisse mussten man und frau sich verkneifen, trinken war erlaubt, der Rest der Mannschaft konnte ja weiter rudern!So gelang es uns, unsere Stunden-Kilometerzeiten recht konstant zu halten und nach einer weiteren Stunde rudern auf dem schönen Bieler See kam die Zielboje allmählich in Sicht. Erste Blessuren an Händen und Gesäß machten sich bemerkbar, dennoch setzten wir zu einer fulminanten Schlussphase an. Hinter uns hatten 4 Boote eine Aufholjagd begonnen und kamen immer näher, darunter auch unser Lieblingsrivale mit der Nummer 32. Unser gewiefter Schlagmann hatte die Situation jedoch souverän unter Kontrolle und musste die Schlagzahl erst auf den letzten Metern kurzfristig erhöhen, um die nachfolgenden Boote nicht aufschließen zu lassen.

Wir überquerten die Ziellinie mit einer Endzeit von 3:08:38 h und waren zufrieden mit unserer Leistung, wenn auch bereits an Konzepten fürs nächste Jahr gearbeitet wurde, um die Zeit dann unter die 3-Stunden-Marke zu drücken.Glücklich kletterten wir aus der „etz´Höri“, freuten uns über ein Bilac-2017-T-shirt (dieses mal in dunkelblau!) und genossen bei einem verdienten Panache und etwas fragwürdiger Musikbeschallung noch ein wenig die Atmosphäre am Festzelt am See.

Nach knapp dreistündiger-staufreier Heimreise lautete unser Fazit: Die Bilac ist ein schönes, überschaubares aber auch herausforderndes Event, das mit einem netten Team wirklich großen Spaß macht und zu einer kleinen sportlichen Herausforderung auf fremden Gewässern vor toller Kulisse werden kann. In diesem Sinne - wir sind alle wieder dabei bei der Bilac 2018 (dann nehmen wir auch die guten schweizer Kekse mit!!!) und hoffen dass die Undine im nächsten Jahr wieder mit mindestens zwei Teams am Start sein wird!

Text: Anke Brednich
Photos: RC Undine

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